Saison 2010 / 2011

Butzbach/Dallas (br) – Bei den 9. Sport Stacking Weltmeisterschaften, die in diesem Jahr erstmals in Dallas/Texas (USA) ausgetragen wurden, waren die 39 Starter des deutschen Teams sehr erfolgreich. Insgesamt gewann „Team Germany“ 25 Gold-, 19 Silber- und 25 Bronzemedaillen. Mit 11 Weltmeistertiteln hatten Stacker des SST Butzbach einen großen Anteil an diesem Erfolg. Auch für die Highlights aus deutscher Sicht sorgten zwei SST-Teams: Die Staffel „Whooooosh!!!“ mit Timo Reuhl, Jonathan und Samuel Kettler, Ryan Powell und Kevin Nalasko gewann gegen die übermächtig erscheinende Konkurrenz aus den USA drei von vier möglichen WM-Titeln und wurde Vizeweltmeister in der 363-Zeitstaffel mit zwischenzeitlichem neuem Weltrekord.

Ein weiteres umjubeltes Top-Ergebnis lieferten Ryan Powell und Timo Reuhl im Doppel ab, als sie im letzten Versuch mit 7,09 Sekunden einen neuen Fabelweltrekord stackten und damit WM-Gesamtsieger wurden. Die Begeisterung im internationalen Publikum kannte keine Grenzen, als die deutsche Staffel in oben genannter Besetzung im Finale des Nationenturniers die US-Boys mit 2:1 bezwang und nach drei Jahren diese Trophäe zurück nach Deutschland holte.

Die WM 2011 brachte zwei Neuerungen: erstmals wurde eine WM als Einladungsturnier ausgetragen, so dass nur die besten Stacker der 16 teilnehmenden Nationen Startrecht hatten. Parallel zum WM-Turnier liefen die „Texas Open“, so dass insgesamt über 700 Stacker im Special Event Center in Garland an den Start gingen. Die Vorrunde am Samstag wurde organisatorisch sehr gut bewältigt, die Stimmung im deutschen Team war gut, denn jeder der von Teamchef Burkhard Reuhl nominierten Stacker hatte sich für mindestens ein Finale qualifizieren können. Dass dies besonders bei den jüngeren Stackern gar nicht so einfach war, möge ein Beispiel der AK 12 Jahre belegen: Ryan Powell stackte im Cycle sehr gute 7,19 sec. und qualifizierte sich als Neunter gerade noch für das Finale, Jonas Rödl musste trotz persönlicher Bestzeit von 7,30 sec. die Segel streichen, zu stark war die Konkurrenz aus den USA, England, Thailand und China, die reihenweise 6er-Zeiten auf den Tisch zauberte. Im Finale dagegen bot sich ein ganz anders Bild. Hier zeigten alle Nerven und man hätte mit 6,72 sec. gewinnen können. Was Ryan Powell im Nachhinein besonders ärgerte, denn diese Zeit schafft er normal sicher, doch auf Grund der vorgelegten Zeiten riskierte er zu viel, um eine besonders schnelle Zeit zu erzielen und wurde in allen Durchgängen durch Fehler zurückgeworfen.

Besser konnte sich Timo Reuhl in Szene setzen. Im Feld der 16jährigen traf er mit Tyler Cole (Kanada) und Luke Myers (USA) auf zwei der weltbesten Stacker, mit denen er sich packende Wettkämpfe lieferte. In der Disziplin 333 war Tyler mit 1,84 sec. nicht zu schlagen, Luke und Timo belegten mit 1,94 und 1,97 sec. die Plätze 2 und 3. Weltklassezeiten gab es auch im 363-Finale, das nur durch einen Wimpernschlag zugunsten von Tyler entscheden wurde: 2,27 sec. zeigte seine Uhr, Luke stoppte nach 2,28 sec. Timo hatte im ersten Versuch mit 2,43 sec. Platz 3 gesichert und dann versucht, an die Zeiten der beiden anderen heranzukommen, blieb jedoch nicht fehlerfrei und scheiterte. Besser klappte es für Timo im Cycle, wo er gleich im ersten Versuch die für Platz 3 benötigten 6,84 sec. schaffte. So war die Bahn frei für einen Risikoversuch mit extrem hohem Tempo und diesmal klappte alles – 6,33 sec., neuer deutscher Rekord! Doch auch hier konnte zunächst Tyller mit 6,31 sec. kontern, danach schaffte Luke sagenhafte 6,19 sec. und gewann seinen ersten WM-Titel 2011. Wie stark diese Altersklasse war, zeigt sich in der Gesamtwertung. Hier gewann der 10jährige William Polly, der mit 1,68 sec. einen neuen 333-Weltrekord stackte, Zweiter wurde Luke Myers, Dritter Tyler Cole. Timo war als Fünfter bester Europäer.

Erfolgreichste Teilnehmerin der WM war Sabrina Obenlüneschloss (Achim), die bei den Masters 1 (25-34 Jahre) alle sieben Titel gewann – drei im Einzel, im Doppel zusammen mit Sabrina Haase und drei mit der Staffel, in der auch Mohammed Sahraoui und Boris Konrad vom SST Butzbach zu Weltmeisterehren kamen. Mohammed wurde zudem Vizeweltmeister in den Disziplinen 363 und Cycle sowie Dritter in 333 in der AK Collegiate (19-24 Jahre). Boris gewann Silber in der Disziplin 363 bei den Masters 1 und im Doppel mit Rebecca Ernst.



DALLAS. Bei den Erwachsenen sammelten Annette Rödl, Ilona Reuhl und Annette Kettler (Foto bei der Siegerehrung im Cycle zusammen mit Reiner Frost) insgesamt vier Gold-, eine Silber- und sechs Bronzemedaillen.


Bemerkenswert: In den Masters-Altersklassen gewannen die Deutschen alle 9 WM-Einzeltitel. Eine glückliche Weltmeisterin war Annette Rödl, die bei den Masters 2 mit tollen 3,47 sec. 363-Weltmeisterin wurde, dazu kam Bronze in 333 und Platz 4 im Cycle. Bei den Masters 3 (45-59 Jahre) gewannen SST-Stackerinnen alle drei WM-Titel. Zunächst siegte Ilona Reuhl in 333 mit neuer Weltrekordzeit von 2,71 sec. vor Titelverteidiger Reiner Frost (Wiesbaden, 2,75 sec.), danach verteidigte Annette Kettler ihren Titel in 363 vor Angela Herger (Schweiz) und Ilona, die daraufhin Gold im Cycle gewann. Hier gab es für Reiner die zweite Silbermedaille und Annette freute sich über Bronze. Gemeinsam mit Annette Rödl gewann Ilona Reuhl die Silbermedaille im Doppel der Masters 2, womit beide ihr persönliches Medaillenset komplett hatten.

Im Doppelfinale der AK 18 Jahre und jünger hatten sich Ryan Powell und Timo Reuhl gleich zu Beginn des Tages mit 7,68 sec. die Goldmedaille gesichert und sich damit einen Traum erfüllt. Die Zeit berechtigte zur Teilnahme am Stack off der drei besten Doppel im Bühnenfinale am Sonntagnachmittag, das zum sportlichen Höhepunkt des Tages werden sollte. Über eineinhalb Jahre lang hatten die Brüder Jonathan und Samuel Kettler den Weltrekord mit 7,47 sec. gehalten, durch Pech im Finale konnten die beiden diesmal nicht an ihre sonst konstanten Leistungen anknüpfen. Anders die US-Amerikaner Matt Kosikowski und Chase Werfel: Sie stackten auf der Bühne 7,41 sec. und knackten damit den „Uralt“-Weltrekord. Doch ihre Freude währte nur kurz. Timo und Ryan deuteten schon im ersten Versuch ihre Klasse an, als sie trotz eines Fehlers noch 7,66 sec. schafften. Der zweite Versuch misslang völlig, blieb noch ein letzter Versuch, den neuen Weltrekord zu unterbieten. Gespannt verfolgten die Zuschauer die blitzschnellen und diesmal fehlerfreien Stapelfolgen der beiden Deutschen, das Stoppen der Uhr, der Blick auf das Display – 7,09 sec., ein fabelhafter neuer Doppelweltrekord! Jubelnd fielen sich die beiden in die Arme und warteten gespannt auf das Votum der Jury, denn die potentiellen Weltrekorde wurden sofort einer Videokontrolle unterzogen. Grenzenloser Jubel, als kurz darauf die grüne Karte gehoben wurde, der Weltrekord war gültig, Ryan und Timo Overall-Doppel-Weltmeister!

Ein besonderer Höhepunkt bei der WM sind immer die Staffel-Wettbewerbe und hier insbesondere die Duelle der US-Amerikaner gegen die deutschen Teams. Das US-Team hatte in der Staffel „Winning“ die vier schnellsten Stacker zusammengeführt und ihnen mit diesem Namen einen deutlichen Auftrag mitgegeben. Doch schon im ersten Duell mit dem SST-Team „Whooooosh!!!“ wurde deutlich, dass die Einzelzeiten nicht alleine über eine Staffelleistung entscheiden, auch die Nerven und die Wettkampfhärte spielen eine entscheidende Rolle. Die US-Boys hielten dem Druck der sicher stackenden Deutschen nicht stand und machten Fehler, so dass „Whooooosh!!!“ als Sieger dieses Duells den direkten Durchmarsch ins Finale schaffte. Leider musste sich die zweite deutsche Staffel „Go fast“ mit den SST-Stackern Jacqueline Nalasko und Leon Reuhl sowie Jill Claas, Maximilian Odia und Björn Höppner dem US-Team in der Trostrunde mit einer Hundertstel Sekunde geschlagen geben, so dass „Winning“ im Finale wieder auf „Whooooosh!!!“ traf. Das erste Finale entschieden die US-Boys für sich, doch da das deutsche Team zuvor noch kein Match verloren hatte, kam es zu einem zweiten Finale und hier setzte sich das nervenstarke SST-Team durch und gewann den ersten Weltmeistertitel. Auch im Cycle-Turnier, das nach dem einfachen KO-Prinzip ausgetragen wurde, trafen die beiden Staffeln im Finale aufeinander, wieder entschieden die sicher stackenden Deutschen das Match zu ihren Gunsten, obwohl im Einzelvergleich alle US-Amerikaner die besseren Zeiten hatten. Doch in der direkten Auseinandersetzung waren die US-Boys dem Druck, genau jetzt keinen Fehler machen zu dürfen, nicht gewachsen.

Auf hohem Niveau lief auch die Zeitstaffelentscheidung im Bühnenfinale ab. Hier legte das deutsche Team mit 14,56 sec. einen neuen Weltrekord vor, doch diesmal schaffte „Winning“  einen fehlerfreien Versuch und freute sich nach 14,44 sec. über die erste Goldmedaille und einen neuen Weltrekord in der Zeitstaffel. Blieb noch das große Nationenturnier „International Challenge“, an dem 17 Staffelteams aus 12 Nationen teilnahmen. In zwei Vorrundenklammern wurden die vier Finalteilnehmer ermittelt. In der ersten Klammer waren beide US-Teams gesetzt, doch mit Kanada und Thailand stießen sie auf sehr starke Gegner und konnten nur mit viel Glück die beiden ersten Plätze ihrer Gruppe belegen. Die beiden deutschen Teams starteten in der zweiten Vorrundengruppe und hatten mit China, Irland, Australien und Neuseeland lösbare Aufgaben, so dass  beide US- und deutschen Teams in den Matches um Platz 3 und Platz 1 aufeinander trafen. USA Red besiegte Germany Black im Match um Platz 3 knapp mit 2:1. Im Finale erwischte das deutsche Team in der identischen Besetzung wie „Whooooosh!!!“ den besseren Start, den US-Boys unterlief gleich ein Fehler, so dass die 1:0-Führung sichergestellt werden konnte. Das zweite Rennen lief lange Kopf an Kopf, dann ein Fehler bei den Deutschen, die Amerikaner konnten ausgleichen. Damit erreichte die Spannung ihren Siedepunkt, das dritte Match würde über Sieg und den prestigeträchtigen WM-Sieg entscheiden. Timo Reuhl brachte das deutsche Team als versierter Starter schnell und fehlerfrei auf Kurs, Jonathan Kettler konnte einen kleinen Fehler schnell korrigieren, Kevin Nalasko zog wieder mit dem US-Team gleich und Kopf an Kopf stackten die Schlussstacker Ryan Powell und Luke Myers los. Auch Ryan musste einen kleinen Fehler korrigieren, doch derselbe Luke Myers, der zuvor noch 6,19 sec. im Finale gestackt hatte, zeigte jetzt Nervenflattern, ließ den letzten Becher der Zehnerpyramide fallen – und Ryan zog mit einem blitzschnellen Abbau seines Zehners noch an ihm vorbei. In einer ausgelassenen Jubelorgie feierten die fünf Stacker, Coach Burkhard Reuhl und das begeisterte Publikum „Germany“ als Sieger des „International Challenge 2011“! -> Youtube Video

Natürlich durfte der überdimensionale Wanderpokal auch auf dem Mannschaftsfoto zum Abschluss einer denkwürdigen WM nicht fehlen. Danach hieß es Abschied nehmen von den vielen befreundeten internationalen Stackern, bevor die tollen Erfolge des deutschen Teams bei einer abendlichen Feier noch einmal gebührend gewürdigt wurden.

Alle Ergebnisse und einige Videos finden sich im Internet unter www.thewssa.com.

DALLAS. Die SST-Staffel, die in der Besetzung Timo Reuhl, Jonathan und Samuel Kettler, Ryan Powell und Kevin Nalasko für Deutschland an den Start ging, gewann drei von vier möglichen WM-Titeln und wurde einmal Vizeweltmeister. Im Bild ist das Weltmeister-Quintett mit dem begehrten International Challenge Pokal zu sehen.

Sportlich herausragend war der Gesamtsieg in der Doppelkonkurrenz durch Ryan Powell und Timo Reuhl in der neuen Weltrekordzeit von 7,09 sec. Unser Bild zeigt die beiden bei der Präsentation der Pokale bei der Siegerehrung.

Bei den Erwachsenen sammelten Annette Rödl (auf unserem Bild nach ihrer Siegerzeit von 3,27 Sec. in 363), Ilona Reuhl und Annette Kettler.

Bei der Eröffnungsfeier trug Ryan Powell vom SST Butzbach die deutsche Fahne in die Arena. (vgl. Bericht)


Text und Fotos: br

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