Saison 2009 / 2010

Butzbach (br). Nachdem am ersten Wettkampftag durch die Staffelerfolge (die BZ berichtete) der Weg in eine erfolgreiche WM für das deutsche Team geebnet war, konnten die Stacker von „Team Germany“ mit einer gewissen Lockerheit in die Einzel- und Doppelfinal-Wettbewerbe am Sonntag gehen. Trotz der sehr starken Konkurrenz vor allem aus den USA, aber auch aus Kanada, den Philippinen und Australien, gab es bei der traditionellen Abschlussfeier am Sonntagabend 13 Weltmeistertitel zu feiern, darunter 7 für Stacker des SST Butzbach.

Den Medaillenreigen eröffnete der 11jährige Jonas Rödl, der mit einem neuen deutschen Rekord von 1,86 sec. in der Disziplin 333 Weltmeister in einer superschnellen Altersklasse wurde. Indiz dafür ist die Leistung von Ryan Powell, der mit persönlicher Bestzeit von 1,94 sec. mit dem vierten Platz vorlieb nehmen musste. Auch bei 363 musste Ryan mit 2,52 sec. schon im Bereich seiner Bestzeit stacken, um Silber zu sichern. Im Cycle fand die Leistungsexplosion der 11jährigen ihre Krönung mit etlichen 6er-Zeiten. Dogukan Yavsav (7,25 sec.), Ryan (7,30 sec.) und Jonas (7,40 sec., alle SST Butzbach) schafften hervorragende Finalzeiten, landeten jedoch „nur“ auf den Plätzen 6-8. Eine weitere Silbermedaille gewann Jonas an der Seite von Marie Henrich im Doppel der AK 12 und jünger mit sehr guten 8.63 sec.

Erfolgreiche Familienbilanz für Annette und Jonas Rödl (SST): Jonas wurde Weltmeister in 333 der 11jährigen und gewann zwei Titel mit der Staffel, Annette siegte in 363 bei den Masters 2 und gewann Silber im Doppel und Bronze in 333.

Bei den 14jährigen startete Leon Reuhl mit 2,18 sec. in 333, die Platz 4 vor dem zeitgleichen Kevin Nalasko bedeuteten. Mit persönlicher Bestzeit von 2,68 sec. in 363 ließ Leon Platz 5 in dieser Disziplin folgen. Kevin freute sich im Cycle-Finale über die Silbermedaille in 7,41 sec. hinter dem starken Tyler Cole (Kanada, 6,71 sec.). Im Doppel dieser Altersklasse steigerten sich Aylin Braunewell und Shanice Klingelhöfer auf 8,78 sec. und gewannen Bronze.

Bei den 15jährigen gewannen Timo Reuhl (333 in 2,11 sec.) und Jonathan Kettler (Cycle in 6,97 sec.) jeweils eine Silbermedaille, hinzu kam für Timo Bronze im Cycle in 7,09 sec. zwei weitere Silbermedaillen für den SST Butzbach gewann der 16jährige Florian Friedrich in 333 (2,18 sec.) und im Cycle (7,75 sec.). Jaqueline Nalasko steuerte hier zweimal Bronze für das deutsche Team bei (333:2,21 sec., 363:2,84 sec.). Bei den 17jährigen begann Samuel Kettler (SST) mit Platz zwei in 333 (2,30 sec.) und krönte anschließend seinen WM-Auftritt mit dem Goldpokal des Cycle-Weltmeisters in 7,15 sec. Bei den 18jährigen stand in jeder Disziplin ein Deutscher auf dem 2. Platz: in 333 und 363 Mohammed Sahraoui (SST, 2,21 und 2,75 sec.), im Cycle Ruben Kehl mit 8,06 sec. Sehr spannend verlief die Doppelkonkurrenz der AK 18 Jahre und jünger. Zunächst standen Kevin und Jacqueline Nalasko auf der Bühne und legte im dritten Versuch 8,78 sec. vor. Tom Hailes und Rachel Nedow (USA) hatten nur einen gelungenen Versuch, diesen aber stoppten  sie nach 8,66 sec., womit sie die Führung übernahmen. Timo Reuhl und sein neuer WM-Doppelpartner Stefan Bleischwitz ließen sich dadurch nicht irritieren und setzten sich mit 8,58 sec. an die Spitze, von wo sie nur noch durch die amtierenden Weltrekordler Jonathan und Samuel Kettler verdrängt werden konnten. Die beiden stackten unbeirrbar ein sicheres Finale mit einer Bestzeit von 7,81 sec, die sie später im Stack Off noch einmal auf 7,53 sec. steigern konnten, womit sie die beste Doppelzeit aller WM-Teilnehmer auf die Matte zauberten und verdient Weltmeister wurden.

Eine tolle Medaillenbilanz lieferten die Erwachsenen ab, die in vier Altersklassen ihre Finals austrugen. Bei den Masters 1 (25-34 Jahre) hatte Boris Konrad (SST) nach der bescheidenen Vorrunde schon an seinen Fähigkeiten gezweifelt, im Finale aber zeigte er sich von seiner besten Seite. Nach Bronze in 333 und 363 (2,56 und 3,16 sec.) gelang ihm ein sehr guter Cycle in 8,50 sec., der die Konkurrenz so beeindruckte, dass keiner mehr schneller stacken konnte und Boris Weltmeister wurde. Noch erfolgreicher mit Gold in 363 (3,02 sec.) und Silber in 333 und im Cycle war Sabrina Obenlüneschloss (Achim).

Annette Rödl (SST) hatte eigentlich den Titel in der Disziplin 333 im Visier, doch hier gewann sie mit guten 2,84 sec. Bronze, dafür aber konnte niemand ihre Zeit von 3,47sec. in 363 bei den Masters 2 (35-44 Jahre) unterbieten und sie wurde Weltmeisterin. Gemeinsam mit Antje Fesl (Bronze in 363 und im Cycle) gewann sie zudem noch die Silbermedaille im Doppel dieser Altersklasse in 13,06 sec. und komplettierte damit ihre Medaillensammlung. Mit Gold und Silber dekorierte sich auch Sascha Görtz (Flensburg), der 333 in 2,80 sec. gewann und im Cycle Zweiter wurde.

Bei den Masters 3 (44-59 Jahre) stellte das deutsche Team zwei neue Weltmeister. 333 gewann Wolfgang Bleischwitz in 2,94 sec. vor Reiner Frost (3,18) und Annette Kettler (3,21), womit hier die Podestplätze ebenso eine rein deutsche Besetzung fanden wie in 363. Hier gewann Annette Kettler hauchdünnn vor Ilona Reuhl, denn beide hatten 3,90 sec. gestackt, womit die zweitbeste Zeit über den Titel entscheiden musste und die hatte Annette auf ihrem Konto. Bronze gewann Roswitha Zameit (Flensburg). Im Cycle holte Shinshendo Weber den einzigen WM-Titel für die Schweiz, Roswitha gewann Silber. Dass Ilona Reuhl sich dennoch in die Weltmeisterlisten eintragen konnte, verdankte sie einem gelungenen Doppel mit Wolfgang Bleischwitz. Die amtierenden Weltrekordler waren in 12,22 sec. das Maß aller Dinge bei den Masters 3, Bronze gewannen Annette Kettler und Reiner Frost in 15,38 sec.

Ein Höhepunkt jeder Weltmeisterschaft ist der „International Stack Challenge“ ein Cycle-Staffelwettbewerb der Nationalstaffeln. 2010 waren 17 Staffeln aus 12 Nationen am Start, die USA, Deutschland, Kanada, Australien und Neuseeland stellten je zwei Teams. In zwei Vorrundenklammern wurden die vier besten Teams nach dem doppelten Ausscheidungsprinzip ermittelt, die am Sonntagnachmittag die Finalrunde austrugen. Hier musste das deutsche Team mit Timo Reuhl, Jonathan und Samuel Kettler, Ryan Powell und Stefan Bleischwitz zunächst gegen Kanada um den Einzug ins Finale antreten. Durch einen Wechselfehler ging Kanada 1:0 in Führung, doch die von Burkhard Reuhl gecoachte deutsche Staffel ließ sich nicht beirren und glich im zweiten Match aus, so dass ein Entscheidungsmatch gestartet werden musste. Wieder galt es, sich nicht durch den schnellen Tyler Cole aus der Ruhe bringen zu lassen und schon beim 3. Stacker übernahm Deutschland die Führung und sicherte unter dem Jubel der Fans so den Finaleinzug. Hier traf man wie in den Jahren zuvor auf eine US-Eliteauswahl, die eigentlich nur zu schlagen ist, wenn man schnell und fehlerfrei stackt und damit die US-Boys zu Fehlern zwingt. Dies gelang dem deutschen Quartett immerhin ein Mal zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich, danach aber ließen die Amerikaner nichts mehr anbrennen und gewannen das Turnier, das deutsche Team freute sich über die Silbermedaille.

Danach hieß es Abschied nehmen von vielen Freunden und Bekannten, die man alle Jahre wieder anlässlich der WM in Denver trifft. Nach einer gebührenden Feier wurden die Koffer gepackt und eingecheckt, danach fand sich noch ein wenig Zeit zum Besuch des interessanten Denver Museum of Nature and Science. Zum Glück rumorte es in Islands Vulkan erst am Mittwoch und so konnten die deutschen Stacker ohne Probleme am Dienstagvormittag in Frankfurt landen, wo sie von einem Empfangskomitee des HTV, des Sportkreises Wetterau und des SST Butzbach überrascht wurden.

Text + Foto: br

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