Saison 2009 / 2010

Butzbach (br) "And the winner is . . .  from Team Germany!” 17 Mal erklang diese Ansage aus den Lautsprechern der Magness-Arena, 17 Mal durften sich deutsche Sportlerinnen und Sportler bei den 8. Sport Stacking Weltmeisterschaften in Denver /USA über einen Titelgewinn freuen. Dazu kamen 25 Silbermedaillen, 20 Bronzemedaillen sowie 54 weitere Finalplatzierungen – eine tolle Bilanz für das 47köpfige deutsche Team. Insgesamt waren diesmal 707 Stacker aus 18 Nationen am Start, den Löwenanteil stellte natürlich die USA mit 579 Teilnehmern aus 33 Bundesstaaten.

Stephen Purugganan aus Longmeadow/ Massachussets konnte seinen Titel als schnellster Stacker der Welt noch einmal knapp verteidigen, den 333-Weltrekord aber musste er an den 10jährigen Kenneth Liao abgeben, der in 1,72 sec. Gesamtsieger dieser Disziplin wurde. Das schnellste Doppel der WM 2010 kommt aus den Reihen des SST Butzbach: Jonathan und Samuel Kettler verfehlten im Bühnenfinale mit 7,53 sec. ihren eigenen Weltrekord nur um 6 Hundertstel und durften stolz die großen Siegerpokale in Empfang nehmen. Einen Rekord der besonderen Art stellte der 15jährige Timo Reuhl vom SST Butzbach auf: Bei seiner sechsten WM-Teilnahme gelang ihm das Kunststück, jedesmal mindestens einen Weltmeistertitel zu gewinnen, 2010 war es der Titel in der 363-Turnierstaffel gegen die favorisierten US-Amerikaner.

Bei der Eröffnungszeremonie der 8. Sport Stacking Weltmeisterschaften trug Timo Reuhl (SST Butzbach), der zum 6. Mal an einer WM teilnahm und zum sechsten Mal einen Weltmeistertitel gewann, die deutsche Fahne in die Magness-Arena in Denver.


So sehn Sieger aus! Die deutsche Staffel „Burst!“ mit (v.l.) Sabrina Obenlüneschloss, Ilona Reuhl, Timo Böhm, Boris Konrad und Rebecca Ernst gewann den Weltmeistertitel in der 363-Zeitstaffel der Erwachsenen.

Aus Kostengründen – alle WM-Teilnehmer müssen Flug und Hotelaufenthalt aus eigener Tasche finanzieren – reiste das deutsche Team diesmal erst am Dienstag an und nutzte die ersten Tage in der „Mile-high“-Metropole zu Ausflügen in die Umgebung und ausgiebigen Einkaufsbummeln. Zusätzlich wurde zweimal täglich im Hotel trainiert, da viele Doppel und Staffeln aus verschiedenen Gegenden Deutschlands zusammengestellt werden mussten und sich erst vor Ort gemeinsam vorbereiten konnten. Am Freitagabend nahmen die deutschen Stacker dann erstmals die Magness-Arena auf dem Universitätscampus in Augenschein und waren von der modernen Multifunktionshalle begeistert. Bei einer internationalen Begrüßungsrunde der Teilnehmer aus 18 Nationen wurde gemeinsam gestackt, getanzt und eigens angefertigte Pins des jeweiligen Landes untereinander getauscht.

Um 9 Uhr am Samstagvormittag wurden die Tische im weiten Rund der Arena für die Vorrunde geöffnet und nun galt es für alle Stacker, die antrainierten Leistungen vor den Augen der Schiedsrichter zu präsentieren und dabei die eigene Nervosität möglichst auszuschalten. Dies gelang den deutschen Teilnehmern hervorragend, bis auf zwei konnten sich alle für mindestens ein Finale am Sonntag qualifizieren.

Um die Mittagszeit wurde es sehr feierlich in der Arena. In der „opening ceremony“ marschierten die Fahnenträger der verschiedenen Teilnehmerländer mit den Nationalflaggen ein, die Hymne des Gastgeberlandes erklang und die Weltrekordler des abgelaufenen Jahres wurden vom Weltverband WSSA mit Urkunden geehrt darunter auch Jonathan und Samuel Kettler für ihren Doppel-Weltrekord von 7,47 sec., den sie bei den Weidig Open 2009 erzielt hatten.

Danach verteilten sich alle gemeldeten Teams auf die verschiedenen Altersklassensektoren, um die Weltmeister und Medaillengewinner 2010 in der 363-Turnierstaffel zu ermitteln. Nach dem Turniermodus „double elimination“ scheidet ein Team erst aus dem Turnier aus, wenn es zweimal verloren hat. "Team Germany“ hatte 10 Staffeln gemeldet, die jüngste mit "ShaMaHaJoRy“ in der Altersklasse 11 Jahre und jünger. Gleich im ersten Match trafen Marie Henrich, Shanice Klingelhöfer, Hanna Müller, Jonas Rödl und Ryan Powell auf das US-Team „4 on the floor“, das mit superschnellen Stackern gespickt war und das deutsche Team gleich in die Trostrunde schickte. Hier aber eilte das von Ilona Reuhl hervorragend gecoachte Quintett von Sieg zu Sieg und schaffte damit neben "4 on the floor“ die Qualifikation für die Medaillenrunde der besten vier Teams aus zwei Vorrunden. Hier wartete als erstes das US-Team „Stack Attack“ auf die deutschen Youngster, eine Aufgabe, die sie souverän meisterten und so ins Halbfinale einzogen. Hier wartete wieder „4 on the floor“ als Sieger des zweiten Auftaktmatches, wieder gab es eine knappe Niederlage, wieder musste die Staffel nervenstark die Trostrunde siegreich gestalten und zog ins Finale ein – natürlich gegen "4 on the floor“. Schnell stand es 1:0 für die Amerikaner, doch das zweite Match endete Unentschieden. Im dritten Match gelang den Deutschen der erste Sieg zum 1:1-Ausgleich. Die deutschen und amerikanischen Fans starten wie gebannt auf den Finaltisch, als das entscheidende Match gestartet wurde. Marie startete souverän und blieb wie Hanna, Jonas und Ryan fehlerfrei, so dass sie die US-Boys unter Druck setzen konnten, ein Rezept, das Erfolg zeigte, denn gerade wenn man besonders gut und schnell stapeln will, schleichen sich Fehler ein. So auch bei „4 on the floor“, die deutsche Staffel hatte 2:1 gewonnen! Damit stand es aber im Turnier 1:1, beide Teams hatten nun je eine Niederlage und so musste ein Entscheidungsmatch um den Weltmeistertitel angesetzt werden. Doch hier zeigte sich, dass die vorher ungeschlagenen US-Boys an der Niederlage zu knabbern hatten, und Fehler produzierten, während die deutschen Kids souverän durchstackten und sich unter dem begeisterten Jubel der Eltern und Fans den ersten Weltmeistertitel für Deutschland sicherten!

Nach dem Jubel über diese Goldmedaille lenkte Ilona Reuhl die Konzentration der Kinder auf den zweiten Wettbewerb des Tages, der Cycle-Turnierstaffel, die nach dem einfachen Ausscheidungsmodus ausgetragen wurde. Auch hier trafen „ShaMaHaJoRy“ und „4 on the floor“ im Finale aufeinander, diesmal siegte das US-Team mit 2:1, so dass sich beide über eine Gold- und eine Silbermedaille freuen konnten. Am Sonntagmorgen wurde das Duell in der 363-Zeitstaffel fortgesetzt. Hier hatte das deutsche Team die langsamste Qualifikationszeit aller vier Finalisten, doch mit einem bravourösen 2. Durchgang legten sie die neue Weltrekordzeit von 14.03 sec. vor und schockten damit die Konkurrenz. Nun konnten Marie, Shanice, Hanna, Jonas und Ryan nur noch warten, ob es "4 on the floor“ gelingen würde, diese Fabelzeit zu unterbieten. Der letzte Versuch der Amerikaner lief sehr gut, doch als der letzte Stacker die Zeit stoppte, leuchteten die Ziffern 14,08 auf dem Display auf – das zweite Gold für die jüngste deutsche Staffel war perfekt, mit Weltrekordzeit!

Einen sehr schweren Stand hatten die beiden deutschen Staffeln in der Altersklasse 14 Jahre und jünger, denn hier tummelten sich zahlreiche Nationalteams mit sehr starker Besetzung. So musste das deutsche Team "Stack Fire“ mit Kevin Nalasko, Dogukan Yavsav, Aylin Braunewell und Leon Reuhl gleich zu Beginn eine Niederlage gegen das starke kanadische Team hinnehmen, kämpfte sich dann aber bis ins entscheidende Match gegen das US-Team durch, dessen Sieger in die Medaillenrunde einziehen durfte. Mit einer knappen 2:1-Niederlage schied "Stack Fire“ aus dem 363-Turnier aus, qualifizierte sich dafür aber in der Cycle-Turnierstaffel für die Finalrunde und wurde Vierter. In der Zeitstaffel wäre dann der ersehnte WM-Titel fast noch Wirklichkeit geworden, doch nach einem kleinen Stackfehler notierten die Schiedsrichter 14,58 sec. für das deutsche Quartett. Damit konnten sie immerhin die starken Teams aus Kanada und den Philippinen distanzieren und Silber gewinnen, die "Purple Cobras“ aus den USA aber siegten mit 13,22 sec.

Drei deutsche Staffelteams starteten in der Altersklasse 18 Jahre und jünger. Pech hatten die "Fast Girls“ mit Henrike Kärchner, Lisa Fuhr (beide SST Butzbach), Ann-Christin Schäfers, Vanessa und Verena Witt, dass sie in ihrem Teil der Turnierklammer auf zwei favorisierte US-Teams trafen und keine Chance hatten, unter die letzten Vier einzuziehen. Dies gelang der Staffel "Impulse“ mit Mohammed Sahraoui, Ruben Kehl, Jaqueline Nalasko und Patrick Locher, die sich als Vierte eine Medaille sicherten. Ohne Niederlage direkt ins Finale stackte sich das Quintett "Whoooosh!“ mit Timo Reuhl, Jonathan und Samuel Kettler, Florian Friedrich (alle SST Butzbach) und Stefan Bleischwitz. Dort trafen sie auf die US-Favoriten „4 the Win“, die in ihrem Namen schon ihre Titelambitionen verkündeten. Immerhin hatten die US-Boys drei amtierende Weltmeister in ihren Reihen und nach einer 1:0-Führung griffen sie schon nach dem programmierten Titel. Aber im zweiten Match setzte Timo den Starter des US-Teams durch eine schnelle und sichere Stapelfolge so unter Druck, dass er einen Fehler machte und "Whoooosh!“ mit 14,53 zu 19,57 sec. deutlich die Oberhand behielt. Nun zeigten die US-Boys Nerven, machten auch im entscheidenden Match zwei Fehler und die deutsche Staffel war Weltmeister! Auch hier gelang es den Amerikanern, im Finale der Cycle-Turnierstaffel den Spieß umzudrehen, so dass sie das ersehnte Gold um den Hals gehängt bekamen, Silber ging an "Whoooosh!“ für Deutschland, Platz 4 erneut an „Impulse“. Auch in der 363-Zeitstaffel gewannen die US-Boys Gold, obwohl ihre vorgelegte Zeit von 13,43 sec. durchaus zu unterbieten war, aber mit Gold vor Augen bleibt das deutsche Quartett nicht fehlerfrei und gewann mit 13,48 sec. Silber. Im Bühnenfinale der drei schnellsten Staffeln am Sonntag zeigten Timo, Joni, Sami, Flo und Stefan mit 12,86 sec., dass sie es besser können, diese Zeit stachelte die Amerikaner aber zur neuen Weltrekordzeit von 12,41 sec. an. "Trostpflaster“ für „Whoooosh!“: Platz zwei in der Gesamtwertung aller Staffeln des WM-Turniers. Platz 4 dieser Gesamwertung belegten übrigens die Jüngsten mit ihren 14,03 sec., eine bemerkenswerte Leistung!

Zum Abschluss des Turniertages ermittelten noch die Erwachsenen die Sieger und Platzierten in der 363- und Cycle-Turnierstaffel. Von den vier gestarteten deutschen Teams waren „Burst!“ mit Boris Konrad, Ilona Reuhl (beide SST Butzbach), Sabrina Obenlüneschloss, Timo Böhm und Rebecca Ernst mit einer Silbermedaille in der 363- und einer Bronzemedaille in der Cycle-Turnierstaffel am erfolgreichsten, zweimal Platz 4 ging an die "Old Stackerhandz“ mit Annette Rödl (SST Butzbach), Wolfgang Bleischwitz, Alf Neuber und Shinshendo Weber. Das Tüpfelchen auf dem i aber hoben sich die Stacker des „Burst!“-Teams für Sonntagvormittag auf, als sie in der 363-Zeitstaffel 16,91 sec. vorlegten und damit alle so unter Druck setzten, dass niemand mehr schneller stacken konnte und Sabrina, Ilona, Rebecca, Boris und Timo ihren ersten Weltmeistertitel feiern konnten!

Text + Foto: br

Weidig Open 2017

Weltmeisterschaft 2018