Saison 2006 / 2007

Butzbach (br) – Freitag, 13. April, Denver Coliseum. Als die schnellsten Stacker aus den USA, Japan und Großbritannien im Abschlusstraining vor der WM ihre 12 bunten Plastikbecher in rasantem Tempo auf– und wieder abstapeln, staunen viele aus dem 38köpfigen deutschen Team nicht schlecht. Ob Emily Fox oder Jason Counts (USA), Kate Parker (GB) oder ein Newcomer-Doppel aus Japan – alle produzieren Zeiten im Weltrekordbereich am Fließband. „Wie sollen wir gegen die denn mithalten?“ kommt so manche besorgte Frage aus dem deutschen Lager. Doch Trainer Burkhard Reuhl bleibt gelassen. „Wartet erst einmal die Vorrunde ab, dann sehen wir weiter.“ Und tatsächlich: Vor den kritischen Augen der Schiedsrichter, im Wissen, dass es nun um Alles oder Nichts ging, zeigten viele der vermeintlichen Stars Nerven. Die deutschen Stacker hingegen lieferten allesamt Topleistungen ab, jeder der 38 angetretenen Stacker konnte sich für mindestens ein Finale qualifizieren.


In der Vorrundengruppe 1 des International Stack Challenge – Wettbewerbs trafen die beiden deutschen Teams aufeinander. Auf dem Bild die Schlussstackerinnen Miriam Christ (l) und Ann-Katrin Wolf. Beide Teams konnten sich gegen Kanada und Australien für die Finalrunde am Sonntag qualifizieren.

Nachdem diese erste Anspannung abgefallen war, konnten alle die Eröffnungszeremonie genießen. Erstmals bei einer WM wurden feierlich die Flaggen aller beteiligten Nationen auf die Bühne getragen. Nach einem Videorückblick auf die letzte WM, bei der die Deutschen auch schon einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatten, fand eine weitere Premiere statt. Die amtierenden Overall-Weltrekordhalter wurden von der Vorsitzenden des Weltverbandes, Pola Metz auf der Bühne mit einer speziellen Urkunde geehrt. Alle kamen aus Deutschland, alle vom SST Butzbach: Timo Reuhl in den Disziplinen 3-3-3 (2,22 Sek) und 3-6-3 (2,57 Sek.), Robin Stangenberg im Cycle (7,41 Sek.), Miriam Christ und Christoph Sauer im Doppel (9,40 Sek.) sowie Timo Reuhl, David Wolf, Christoph Sauer und Miriam Christ in der 3-6-3-Zeitstaffel (15,04 Sek.). Matt Reed von der WSSA feuerte alle Stacker an, diese Rekorde zu brechen (und wieder in die USA zu holen). Sein Aufruf sollte Gehör finden – allerdings waren es am Ende die deutschen Stacker, die vier von fünf ihrer eigenen Rekorde unterbieten und damit ihre Vormachtstellung unterstreichen sollten.

Die ersten Entscheidungen fielen in den 3-6-3-Turnierstaffeln. Hier traten in unterschiedlichen Altersklassen acht deutsche Staffeln mit sehr verschiedenen Perspektiven an. Im Turnier der AK 8 Jahre und jünger wurde Lilly und Lavinia Bauer sowie Ryan Powell der 8jährige Jordan Gage aus Colorado als vierter Mann zugeteilt. Nach ersten Erfolgen standen sich die Jüngsten durch massive Wechselfehler aber selbst im Weg und schieden vor der Finalrunde aus.

In der AK 12 und jünger zählte das Team „TCDKL Germany“ mit Timo Reuhl, Colin Stangenberg, David Wolf, Klara Härtl und Leon Reuhl zum engeren Favoritenkreis unter 31 Mannschaften, doch gleich im ersten Match trafen sie auf die starken „Heartbreakers“ aus Kalifornien und mussten unverhofft die erste Niederlage einstecken. Das bedeutete den langen Weg in die Trostrunde, in der man sich keine Niederlage mehr erlauben darf. Die folgenden Gegner waren auch weitaus schwächer und so konnte sich das Team doch noch sicher für die Runde der letzten Vier qualifizieren. Hier entspann sich aber gleich wieder dasselbe Muster. Im Auftaktmatch unterlag TCDKL gegen die Sampson-Stallion Stackers aus Texas 2:1 und fand sich erneut in der Trostrunde wieder. Diesmal konnten die „Heartbreakers“ nach einer fehlerfreien Leistung bezwungen werden und da die Sampson-Stallion Stackers gegen beide anderen Teams mit Fehlern unterlagen, stand TCDKL im Finale gegen Laffy Taffy Colorado. Mit enormer Nervenstärke und absolutem Siegeswillen ging TCDKL in dieses entscheidende Match und ließ dem gegnerischen Team beim 2:0-Sieg keine Chance – die erste Goldmedaille für Deutschland war gewonnen!

Einen leichteren Weg hatten die German Wild Tigers 1 mit Jil Rück, Christoph Sauer, Tanja Buchholz, Robin Stangenberg und Miriam Christ im Turnier der AK 14 und jünger. Sie spielten ihre ganze Erfahrung aus und standen nach drei Siegen in Folge schon im Finale. Schade nur, dass sie im zweiten Match bereits auf ihre Mannschaftskameraden German Wild Tigers 2 mit Aylin Braunewell, Annika Weinmann, Isabelle Brauneis, Marcus Reitz und Lorena Braunewell trafen und diese somit in die Trostrunde mussten. Im entscheidenden Match um den Einzug in die Runde der letzten Vier unterlagen sie knapp „This won´t take long“ aus Colorado. Wie im Vorjahr standen sich im Finale die Wild Tigers 1 und Sampson Stacked aus Texas gegenüber, wie im Vorjahr zeigten die Deutschen die besseren Nerven und gewannen mit 2:0, womit sie ihren Titel von 2006 verteidigen konnten.

In der starken Gruppe der AK 18 und jünger starteten Mohammed Sahraoui, Annika Christ, Ruben Kehl und Ann-Katrin Wolf erfolgreich in das Turnier und konnten sogar das englische Team um Kate Parker bezwingen, knapp vor Erreichen der Finalrunde scheiterten sie aber am starken US-Team um die Brüder Brennan und Kit Fox.

Eine rein deutsche Angelegenheit wurde die 3-6-3-Staffel der Open-Klasse (Erwachsene). Die German Master Stackers (Bianka Büchner, Steve Baltot, Steffi Knapphorst und Boris Konrad) blieben unbezwungen und gewannen Gold vor dem zweiten deutschen Team mit Ilona Reuhl, Desiree Ludwig-Stangenberg, Heidi Braunewell und Gernot Bauer. Selbst die „just for fun“ gestarteten Rüdiger Wolf, Isabell Härtl, Reiner Seidel und Klaus Christ erzielten mit Rang vier einen Achtungserfolg.

In den anschließenden Cycle-Staffeln ergab sich im Grunde ein ähnliches Bild, allerdings waren die favorisierten deutschen Teams hier ihren Gegnern wesentlich klarer überlegen, da alle sicher und schnell stacken konnten und sich kaum Fehler erlaubten. So gewannen TCDKL und die Wild Tigers 1 relativ souverän ihre zweite Goldmedaille, die Wild Tigers 2 und die U18-Staffel freuten sich über Platz vier. Auch die Masters konnten ihren Doppelsieg wiederholen, so dass die Bilanz mit 6 Gold-, 2 Silbermedaillen und 2 vierten Plätzen überaus erfreulich war.

Den Abschluss des ersten Tages bildete das neu ins Programm aufgenommene Nationenturnier „International Stack Challenge“. In Gruppe 1 trafen die beiden deutschen Teams auf Australien und Kanada, in Gruppe 2 mussten sich die beiden US-Teams mit Großbritannien und Japan auseinandersetzen. Die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe sollten am Sonntag im Finale aufeinandertreffen und den Weltmeister der Nationen unter sich ausmachen. Erwartungsgemäß setzten sich in Gruppe 1 Deutschland 1 mit Timo Reuhl, David Wolf, Robin Stangenberg und Miriam Christ (Marcus Reitz) und Deutschland 2 mit Jil Rück, Tanja Buchholz, Annika Weinmann und Ann-Katrin Wolf (Christoph Sauer) durch, in Gruppe 2 die beiden US-Teams.

Bei der Eröffnungszeremonie wurden die Overall-Weltrekordhalter des SST Butzbach besonders geehrt. Auf dem Bild v.l. David Wolf, Christoph Sauer, Miriam Christ, Timo Reuhl und Robin Stangenberg.

Text + Fotos: br

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