Saison 2004 / 2005

Begeisterte Zuschauer beim Tag der Rekorde/Heute Fernsehbericht in "logo"

Butzbach (br) – Einen sensationellen Verlauf nahm der „Tag der Rekorde“, zu dem sich ein Großteil von Deutschlands schnellsten Speed Stackern am Samstag in der Halle der MPS „Oberer Hüttenberg“ in Pohl-Göns einfand. Über 100 Teilnehmer zwischen 4 und 49 Jahren nahmen das Rennen gegen die Uhr auf, stapelten die bunten Plastikbecher in atemberaubender Geschwindigkeit auf und wieder ab und schauten nach dem Stoppsignal sofort gebannt auf die Zeit. Stehende Ovationen des Publikums gab es für den zehnjährigen Timo Reuhl, der vor laufenden Fernsehkameras zwei neue Weltrekorde erzielte und für Miriam Christ (12 Jahre), die mit 8,25 Sek. im Cycle einen neuen deutschen Rekord aller Klassen stapelte und in der Disziplin 3-6-3 den Weltrekord (3,01 Sek.) nur um zwei Hundertstel Sekunden verpasste. Dafür schraubte sie im Doppel mit ihrem Partner Christoph Sauer den eigenen Weltrekord gleich um drei Zehntel nach oben: 10,71 Sek. sind jetzt weltweit bei den 12jährigen das Maß aller Dinge. Wer am Samstag nicht live dabei sein konnte, sollte heute die Kindernachrichten-sendung „logo“ einschalten (Kika, 16.50 und 19.50 Uhr), in der ein Kurzbericht vom Tag der Rekorde gesendet wird.

Bürgermeister Oswin Veith und Frau Pütz vom Kulturamt der Stadt Butzbach verfolgten interessiert das Geschehen und schüttelten immer wieder ungläubig den Kopf. „ Es ist nicht zu glauben, wie schnell die Kinder mit ihren Händen die Becher bewegen. Da wird einem ja schon beim bloßen Zusehen schwindelig!“, zeigte sich Butzbachs Stadtoberhaupt sehr beeindruckt von den Leistungen der jungen Sportlerinnen und Sportler. Diese hatten Gelegenheit, sich im Aufwärmbereich einige Minuten lang auf ihre Disziplinen vorzubereiten, danach wurden sie an die Vorbereitungstische in der Wettkampfzone gerufen. Hier darf man noch so lange ungestört üben, bis der Vorgänger seinen Wettbewerb beendet hat. Letzte Station ist der Wettkampftisch. Hier warten drei Schiedsrichter und ein Kameramann, eine Besetzung, die der Weltverband WSSA vorschreibt, wenn Rekorde Anerkennung finden sollen. Die Startunterlagen werden abgegeben, die Becher bereitgestellt. Jetzt heißt es volle Konzentration, denn in den nächsten Sekunden muss man die Leistung abrufen, für die man wochenlang trainiert hat. Wird es eine neue persönliche Bestzeit? Vielleicht sogar ein vorderer Platz in der neuen deutschen Bestenliste? Wer seine Nerven jetzt nicht im Zaum halten kann, hat kaum ein Chance. Zum Glück darf man zwei Mal probieren, dann folgen drei Versuche für die Wertung, da ist es nicht so schlimm, wenn einmal ein Fehler passiert. Ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu und wenn dann die Uhr eine neue Bestzeit anzeigt und die Schiedsrichter durch Heben der grünen Karte signalisieren, dass alles in Ordnung war, ist die Freude riesengroß.

Grund zur Freude hatten am Samstag viele, denn so mancher fand sich nach einer schnellen Zeit unverhofft an der Spitze der Bestenliste. So auch Moritz Nagel und Marco Roth von der Eichendorffschule Obertshausen, die ihren ersten Wettkampf bestritten und gleich alle Rekordmarken bei den Achtjährigen setzten. Auch Lene Höfeld aus Hungen und Joshua Grünheid aus Waldsolms waren mächtig stolz auf ihre Rekorde bei den Siebenjährigen. Zu den jüngsten Teilnehmern gehörten Lavinia Bauer, die bei den Sechsjährigen die erste Rekordliste anführt und Lilly Bauer (4 Jahre). Lilly hatte einen schweren Stand, denn beim Aufbau der Zehnerpyramide stellte sich heraus, dass sie zu klein war, um die letzten Becher aufzustapeln und danach den Stapel wieder abzubauen. Mit Hilfe einer Bank wurde auch dieses Problem gelöst und nach 46,49 Sekunden hatte Lilly den Cycle vorschriftsgemäß beendet.

Der neunjährige David Wolf von der Degerfeldschule Butzbach hatte schon bei den „Weidig Open“ mit drei Siegen auf sich aufmerksam gemacht. Nach fleißigem Training zeigte er sich am Samstag weiter verbessert und stellte am Samstag drei Rekordmarken auf, die ihn in die Weltspitze aufsteigen lassen: 3,12 Sek. (3-3-3), 3,61 Sek. (3-6-3) und 10,53 Sek. (Cycle) hätten ihm bei der WM in Denver jeweils den Einzug ins Finale beschert!
Als Weltmeister kehrte Timo Reuhl aus Denver zurück und beim Tag der Rekorde stellte er eindrucksvoll seine Wettkampfstärke unter Beweis. In allen drei Disziplinen unterbot er bestehende Rekorde. Zuerst verbesserte er seinen eigenen Weltrekord in 3-3-3 von 2,59 auf 2,54 Sek.. Danach fiel sein deutscher Rekord in 3-6-3, bei 3,19 Sek. stoppte die Uhr, die Bestzeit von Denver (3,33 Sek.) war klar unterboten, den Weltrekord (3,13 Sek.) hatte er nur um sechs Hundertsel verpasst. Unter dem johlenden Applaus der Zuschauer verwirklichte Timo dann seinen Traum, den Weltrekord der Zehnjährigen im Cycle zu erobern. Seine alte Bestmarke lag bei 9,55 Sek., der Weltrekord bei 9,47 Sek., gehalten von seinem amerikanischen Freund Kit Fox.. Als Timo die Uhr stoppte, stand der neue Weltrekord bei 9,04 Sek.! Damit war die erste Sensation perfekt! Dass am Samstag neue Rekorde für Deutschland aufgestellt würden, war im Vorfeld klar, dass aber Weltrekorde fallen würden, damit konnte niemand rechnen!

Die begeisterten Zuschauer scharten sich wenig später wieder um Tisch 1, denn nun stellte Miriam Christ ihre Becher bereit. Sie war im Mai 12 Jahre alt geworden und musste sich daher mit neuen Rekordmarken auseinander setzen. Der Weltrekord in der Disziplin 3-3-3 liegt seit April bei 2,54 Sek. Miriam ließ sich auch durch die große Zuschauertraube und die mitlaufenden Fernsehkameras von ZDF und RTL nicht aus der Ruhe bringen, verbesserte ihre alte Rekordmarke von 2,66 auf 2,60 Sek. und ist damit nur noch sechs hundertstel Sekunden vom Weltrekord entfernt. Noch knapper wurde es bei 3-6-3: mit 3,03 Sek. unterbot sie den bestehenden deutschen Rekord von Christoph Sauer – und verpasste den Weltrekord von 3,01 Sek. nur um Haaresbreite! Dann der Cycle. Hier hatte sie in Denver mit 8,63 Sek. die siebtschnellste Zeit aller WM-Teilnehmer. Diesmal schaffte sie sagenhafte 8,25 Sek., die schnellste jemals in Deutschland gestackte Zeit! Zum Vergleich: Bei den Elfjährigen hält Emily Fox seit 1999 den Weltrekord mit 8,35 Sek., hätte Miriam nur 19 Tage später Geburtstag, wäre dieser Weltrekord am Samstag in Pohl-Göns ausgelöscht worden! So sind nun die 7,96 Sek. des WM-Schnellsten Nate Florea nun Miriams nächstes Ziel. Dieser Zeitenvergleich zeigt aber, dass mit Miriam Christ ein deutsches Sport Stacking Talent heranwächst, das in die Fußstapfen ihres großen Vorbilds Emily Fox treten kann!

Auch die anderen WM-Teilnehmer stellten am Samstag eindrucksvoll unter Beweis, dass sie zu Recht Deutschlands Farben vertreten durften. Marcus Reitz verbesserte sich bei den Elfjährigen auf 2,81 Sek in 3-3-3 und 9,40 Sek. im Cycle. Tanja Buchholz und Shanti Berger (beide Weidigschule Butzbach) schlossen aber am Samstag dicht zu ihm auf. Tanja gewann den 3-6-3-Wettbewerb in 3,42 Sek. und verbesserte sich im Cycle auf 9,44 Sek., Shanti blieb mit 9,82 ebenfalls unter der 10-Sekunden-Marke.

Christoph Sauer belegte in der Gesamtwertung aller Teilnehmer Platz drei in 3-3-3 mit 2,68 Sek., Platz zwei in 3-6-3 mit ausgezeichneten 3,06 Sek. und Platz drei im Cycle mit 9,21 Sek.

Sein Meisterstück machte er gemeinsam mit Miriam Christ beim zweiten Auftritt im Doppel. Nachdem sie beim Aufwärmen den aktuellen Gesamtweltrekord von 9,97 Sek. unterboten hatten, wollten sie „zumindest“ ihren eigenen Weltrekord von 11,01 Sek. unterbieten. Und im zweiten Anlauf hatten sie Erfolg: nach einem harmonischen Durchgang zeigte die Uhr 10,71 Sek. – neuer Weltrekord im Doppel der Altersklasse 12 Jahre!

Damit hatte diese Veranstaltungspremiere einen weiteren Höhepunkt erlebt und vor der abschließenden Bilanz dankte das Organisationsteam allen Helfern, ganz besonders den 15 Schiedsrichtern von der Weidigschule Butzbach, die einen sehr anstrengenden Nachmittag hatten und ihre Aufgabe mit Bravour meisterten. Am Schluss warteten kleine Sachpreise auf die neuen Rekordhalter, die allerdings noch die Anerkennung der WSSA abwarten müssen, bevor sie in die offiziellen Bestenlisten aufgenommen werden. Alle Ergebnisse der Veranstaltung werden am Dienstag im Sportteil unserer Zeitung veröffentlicht.


Weltmeisterin in Aktion: Miriam Christ verbesserte die deutsche Rekordmarke im Cycle auf 8,25 Sekunden.



Volle Konzentration: Timo Reuhl stellte zwei neue Weltrekorde in der Alstersklasse 10 Jahre auf.
2 Fotos: br

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