Butzbach (br) – Es war eine Premiere, der viele mit Skepsis entgegensahen. Zum ersten Mal überhaupt wurde eine Sport-Stacking-Weltmeisterschaft als Online-Wettkampf ausgerichtet, die Federführung hatte die Zentrale des Weltverbandes WSSA in Denver/USA übernommen. 643 Teilnehmer aus 27 Nationen Asiens, Europas, Nord- und Mittelamerikas sowie Australiens hatten über die jeweiligen Landesverbände ihre Meldung abgegeben, darunter 64 Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland. Nach einer teils strapaziösen Wettkampfwoche im April konnte sich die Bilanz des Deutschen Teams unter der Leitung von Timo Böhm (TSV Achim) sehen lassen: Team Germany gewann 29 Gold-, 22 Silber- und 18 Bronzemedaillen. Mit im Team waren auch 12 Starter des SST Butzbach, die 8 Gold-, 4 Silber- und 4 Bronzemedaillen gewinnen konnten. Jeweils drei Weltmeistertitel für die Butzbacher Stacker gewannen Tanja Buchholz und Ilona Reuhl, zweimal siegte Boris Konrad und den Sieg in der Staffel der Masters 1 holten Henrike Kärchner, Kevin Nalasko, Leon Reuhl und Mohammed Sahraoui.

Im Vorfeld dieser WM 2021 wurden bereits Modifikationen der Wettbewerbe festgelegt, die den besonderen Umständen geschuldet waren, dass jeder seine WM zuhause absolvieren musste. So gab es ein Zeitfenster von drei Tagen, die jeder Stacker Zeit hatte, um eine Videoaufnahme seiner Vorrundendisziplinen zur Kontrolle durch die WSSA im Internet hochzuladen. Die geringste Änderung ergab sich bei den Einzeldisziplinen, denn hier konnte wie bei Präsenzwettkämpfen auch, die Abfolge der Disziplinen 333, 363 und Cycle, jeweils mit zwei Probeversuchen, gefilmt werden. Für die Disziplin Doppel galt die Neuregelung, dass zwei Teilnehmer einer Altersklasse ein Team bildeten und jeder bei sich zuhause drei Versuche im Cycle stapelte. Danach wurde die beste Gesamtzeit eines der drei Durchgänge ermittelt. Ähnlich wurde im Staffelwettbewerb verfahren, wo vier Teilnehmer die Disziplin 363 nacheinander stapelten und die vier Zeiten addiert wurden. Head-to-Head-Duelle, also direkte Duelle Stacker gegen Stacker im Cycle, wurden zusätzlich auf kontinentaler Ebene angeboten, da die Zeitunterschiede in den verschiedenen Regionen der Erde einen direkten Vergleich nicht zuließen. Die Finalwettbewerbe der Top 10 jeder Altersklasse wurden dann an einem Wochenende ausgetragen und konnten weltweit im Internet verfolgt werden.

Im Vorfeld war bereits klar, dass alle deutschen Teilnehmer unter 18 Jahren gegen die superschnelle Konkurrenz aus dem asiatischen Raum kaum eine Finalchance haben würden. Die Kinder und Jugendlichen aus China, Malaysia, Taiwan, Singapur, den Philippinen, Thailand und Südkorea machten die Finalisten bei den 6-18 jährigen unter sich aus. Schade zum Beispiel für Melissa Hirth (10) vom SST Butzbach, die überaus fleißig trainiert hatte und eine Vorrunde ablieferte, die national komplett im Rekordbereich lag. Im Cycle stackte Melissa ausgezeichnete 7,40 Sekunden. Siegerin wurde Huen Yee Ng aus China mit 6,231 Sekunden, Melissa landete mit ihrer Zeit nur auf Rang 23. Im Eltern-Kind-Doppel aber erreichte sie mit ihrer Mutter Daniela das Finale, das sie etwas unter Wert mit dem undankbaren vierten Platz beendeten.

Auch Mark Reinbold, einer der schnellsten 14jährigen in Deutschland, hatte nur in der Disziplin 333 den Weg ins Finale geschafft und wurde hier Neunter. In allen Finals vertreten war dagegen die 17jährige Lisa Ortwein. Sie eröffnete die Finals mit sehr guten 1,980 Sek. In 333 und wurde damit Fünfte, die gleiche Platzierung gelang ihr in 363. Im Cycle stapelte sie mit 6,949 Sek. eine tolle Zeit, für die sie mit der Bronzemedaille belohnt wurde. Weltmeisterin wurde Hsin-Ying Hsieh aus Taiwan mit 6,178 Sek. Eine weitere Bronzemedaille gewann Lisa mit der deutschen 18u-Zeitstaffel.

Bei den Erwachsenen standen die Chancen der Deutschen wesentlich besser, denn hier starten mittlerweile viele Teilnehmer, die schon von Jugend auf am Wettkampfgeschehen teilnehmen und in den älteren Klassen Sportlerinnen und Sportler, die durch hochklassige Teilnehmerfelder auf deutschen Turnieren sehr große Wettkampfhärte entwickeln konnten. Bei den Masters 1 (25-34 Jahre) gewann bei den Frauen Tanja Buchholz vom SST Butzbach die Goldmedaillen in den Disziplinen 333 und 363 und wurde Vierte im Cycle. Auch Henrike Kärchner vom SST konnte sich für alle Finals qualifizieren und belegte die Plätze 6, 6 und 7. Bei den Männern gewann Kevin Nalasko die Bronzemedaille im Cycle mit 6,941 Sek. In 333 und 363 belegte er die Plätze 5 und 6. Leon Reuhl startete mit 1,873 Sek, in 333 gleich sehr gut ins Finale und wurde als Vierter nur knapp vom Podest verdrängt. Mit Platz 8 in 363 und Platz 5 im Cycle rundete er sein Finalergebnis ab. Mohammed Sahraoui konnte als bestes Resultat Platz 6 im Cycle verbuchen, in 333 wurde er Achter, in 363 Neunter. Im Doppel allerdings lagen Leon und Moha lange in Führung, bevor sie von zwei US-Amerikanern ganz knapp abgefangen wurden und Silber gewannen. Dies gelang den US-Boys in der Staffel allerdings nicht, und so freuten sich Tanja, Henrike, Kevin, Leon und Moha zusammen mit Maximilian Odia (Erfurt) über den Weltmeistertitel in der 363-Zeitstaffel. Somit gelang Leon Reuhl das Kunststück, fünf Jahre in Folge den Weltmeistertitel in der Zeitstaffel nach Butzbach zu holen!

Bei den Masters 2 (35-44 Jahre) bereicherte Boris Konrad die Medaillensammlung des SST Butzbach. Er gewann den Titel in der Disziplin 363 und in der Staffel, wurde Zweiter im Doppel und gewann Bronze in 333. Im Cycle gelang ihm kein fehlerfreier Versuch un der musste mit Platz 4 vorlieb nehmen. Platz 4 war auch das Standardergebnis von Daniela Hirth in den Einzeln bei den Masters 3 weiblich (45-54 Jahre). Obwohl sie noch kurz vor der WM den Weltrekord in ihrer Altersklasse im Cycle nach Butzbach geholt hatte, sorgte dies nicht für eine Beruhigung ihrer Nerven und sie konnte in keiner Disziplin ihr wahres Leistungsvermögen abrufen.

Mit drei Weltmeistertiteln und zwei Silbermedaillen setzte Ilona Reuhl ihre langjährige Siegesserie bei den Masters 4 (55-64 Jahre) fort, auch wenn bei ihr die Nerven teilweise blank lagen. In der Disziplin 333 zog sie Finale um eine Tausendstel Sekunde den Kürzeren, gewann danach aber 363 souverän und setzte sich auch im Cycle durch. Das Doppel gewann sie zusammen mit Wolfgang Bleischwitz (Stuttgart), in der Staffel holte das Team eine weitere Silbermedaille.

In der Bilanz zeigte sich das deutsche Team mit den Ergebnissen überaus zufrieden, besonders wenn man bedenkt, dass 404 der 641 Teilnehmer aus Asien gemeldet hatten, während Europa mit 146 Startern vertreten war. Nach Malaysia (101 Teilnehmer), Taiwan (65) und den USA (65) stellte Deutschland mit 64 Startern das viertstärkste Team. Überaus positiv war auch die Resonanz auf die Durchführung der Finalwettkämpfe im Internet, die nach anfänglichen Schwierigkeiten reibungslos funktionierte. Immerhin konnten die Sport Stacker auf diese Weise im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten eine Weltmeisterschaft durchführen und hatten in der Corona-Pandemie mit ihren zahlreichen Einschränkungen Trainingsziele, was den Alltag doch sehr bereicherte. Dennoch freuen sich alle Sport Stacker darauf, hoffentlich bald wieder Präsenzwettkämpfe austragen zu können und die zahlreichen entstandenen Freundschaften auf nationaler und internationaler Ebene durch persönliche Kontakte intensivieren zu können. Insofern wäre niemand traurig darüber, wenn diese WM-Premiere ein einmaliges Ereignis bleiben würde.

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Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten konnten die Sport Stacker im April ihre diesjährigen Weltmeisterschaften austragen, zum ersten Mal im Online-Modus. Im 64köpfigen deutschen Team waren 12 Sportlerinnen und Sportler des SST Butzbach vertreten, die insgesamt acht Weltmeistertitel gewannen. In die Siegerlisten trugen sich mit mehreren Medaillenerfolgen Tanja Buchholz, Ilona Reuhl und Leon Reuhl ein (vgl. Bericht). Die Fotos stammen von der Weltmeisterschaft 2019 in Spanien und von den Weidig Open 2019.
Text und Fotos: br

 

 

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